Arvid Nicola
Erfahrungsbericht: Auslandspraktikum 10.05-31.05.25 in Malaga, Spanien
Alles begann, in der Aula der WVS-Berufsschule. Am Ende einer Veranstaltung, teilten zwei junge Männer ihre Erfahrungen, die sie in einem Auslandspraktikum machten. Auch haben einige Lehrer immer wieder erzählt, dass die WVS Auslandspraktika anbietet Nach drei Jahren Ausbildung, wurde der Gedanke an ein Auslandspraktikum immer reizvoller, da es sich als Tapetenwechsel und Möglichkeit bot, die bisher gelernten Kompetenzen in ungewohntem Umfeld zu vertiefen oder gar zu erweitern.
Das Praktikum wurde von Erasmus+ finanziert und gefördert. Mit der Organisation des ganzen fingen die korrespondierenden Lehrer und ich, zwischen Februar und März an und uns über die Planung und Organisation auszutauschen. Obwohl der Mai, schneller und schneller näher rückte, schaffte Knut Bender in Zusammenarbeit mit der lokalen Partnerorganisation in Spanien, alles Wichtige zu klären und nötige Formulare auszufüllen. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, wie unkompliziert und transparent die Organisation war. Ich selbst, hatte mich lediglich um eine Auslandsversicherung und die Erlaubnis meines Ausbildungsbetriebes zu kümmern, schriftlichen Austausch mit allen Parteien zu führen und zwei Dokumente zu meiner Person auszufüllen.
Da ich zuletzt mit 10 Jahren geflogen bin, fing das Abenteuer schon am Flughafen an. Nach sicherer Landung ging es mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiter zu der Unterkunft, die mir von der Partnerorganisation so vermittelt wurde. Den darauffolgenden Sonntag verbrachte ich damit, meine Umgebung kennen zu lernen.
An meinem ersten Arbeitstag begleitete mich eine junge Dame, die für die gesamte Dauer von drei Wochen, meine Ansprech- und Kontaktperson (Administratorin) in Malaga war. Es erwies sich als großer Vorteil, dass sie mitkam, da die Kollegen in der Firma, die mir zugeteilt wurde, genauso gut Englisch, wie ich Spanisch sprechen konnten.
Nachdem der Chef mit Freude sah, dass ich einen Führerschein besitze, wurde ich einem Mitarbeiter zugeteilt, mit dem ich die meiste Zeit der ersten Woche unterwegs war. Hauptgeschäft des Unternehmens ist die Installation und Instandhaltung von Solaranlagen. So verbrachten wir die erste Woche hauptsächlich mit der Erweiterung einer PV-Anlage, auf unterschiedlichen Dächern mit Aussicht auf das Meer. Ein Ausblick an den ich mich schnell gewöhnt habe. Mindestens ein Auftrag am Tag war es, zu Kunden zu fahren, deren Anlage nicht mehr die gleiche Leistung wie früher produziert, oder weil es Probleme bei der Kommunikation zwischen dem Wechselrichter, der KundenApp und/oder der UnternehmensApp gab. Nachdem diese Probleme behoben waren, wurden uns entweder weitere solcher Aufträge zugeteilt, oder wir fuhren zu dem Erweiterungsauftrag. Kurz vor dem Ende der zweiten Woche, fragten mich der Chef und die Mitarbeiter, ob ich gewollt sei, in der nächsten Woche, für die Installation einer PV-Anlage, mit nach Madrid zu fahren. Ich stimmte zu und freute mich auf das Wochenende, für das ich mir ein Motorrad mietete, um die lokale Umgebung zu erkunden.
Früh morgens, machten wir uns am folgenden Montag auf die 5,5-stündige Reise nach Madrid. Dem Wochenende noch hinterher träumend, verging die Fahrt, jedoch schneller und angenehmer als erwartet. Der Himmel zog sich zu, als wir ankamen. Es war 14 Uhr und wir schafften es noch die meisten der Arbeitsmaterialien beim Kunden vor Ort abzulegen, im Anschluss brach ein Gewitter aus und wir fuhren nur noch für das nötigste in einen Baumarkt. Es folgte das Abendessen und das Einchecken ins Hotel.
Die Nacht brachte bescheidenen Schlaf, da die Klimaanlage, alle 30 Minuten für 5 Minuten Terror machte. Des Nachts versuchte ich den Lärm loszuwerden. Ich sah einen Sicherungskasten bei mir im Hotel und scheute keinen Versuch, die Klimaanlage und mich endlich in Tiefschlaf zu versetzten. Leider waren die Sicherungen nicht für die Klimaanlage in meinem Raum.
Nach der ersten von drei unruhigen Nächten, trafen die Kollegen und ich uns morgens beim Frühstück. Anschließend fuhren wir zum Kunden und begannen mit den ersten Arbeiten. Ein Kollege montierte auf dem Dach die Halterungsschienen für die Solarmodule, der andere schraubte mit mir die nötigen Unterverteilungskästen zusammen, mit allen Betriebsmitteln, die zur Gewährleistung der Sicherheit gebraucht werden.
Die nächsten Tage verliefen ähnlich, wir verlegten Isolationsrohre, für die Leitungen und nahmen die gelieferten Solarplatten an. Nachdem wir alle Vorkehrungen getroffen haben, hievten wir Platte für Platte aufs Dach und monierten eine nach der anderen. Nach vier Tagen war die Installation und Inbetriebnahme vollendet. Die Tage begannen um 7:30 Uhr und endeten frühstens um 20 Uhr, mit Abendessen in einem Restaurant. Bis heute frage ich mich, ob ich 4 ruhige Tage in Malaga gehabt hätte, wenn ich dem Auswärtsauftrag in Madrid nicht zugestimmt hätte, mit einer Antwort wie; „Ich kam doch her für Malaga, Madrid stand auch zur Aussicht als Praktikumsort, doch ich wollte lieber an die Küste.“ Womöglich hätte mir diese Antwort viel Arbeit, wenig Schlaf und wenig Zeit erspart. Letztlich bekamen die Kollegen und ich den Freitag der Woche frei. Nach der Kundmachung des freien Freitags, richtete ich meinen Fokus darauf mir wieder ein Motorrad zu mieten. Und die Touren, die ich darauf machte, bleiben mir unvergesslich in Erinnerung. Andalusien bietet wunderschöne Straßen die sich um allerlei Berge winden, mit euphorisierenden Aussichten auf Täler, Wein- und Olivenfelder.
Schon fast trauernd, um das Vergehen des Wochenendes, um die Vergehen des Wochenendes, machte ich mich auf in die letzte, meiner drei Wochen in Malaga. Diese verlief recht eintönig. Bis auf Wartungsarbeiten stand nichts Weiteres an. Die Wartungsarbeiten umfassten das Putzen der PV-Anlagen Module und das updaten des Wechselrichters per HandyApp. So stand ich bei vielen Leuten in den Häusern und Wohnungen, ohne ihre Sprache zu sprechen. Zeiten die sich zogen. Sekundenschlaf war mein Schatten und folgte mir auf Schritt und Tritt, wenn es um Wartungsarbeiten ging. Hört sich womöglich nicht professionell an, aber ich bezweifle nicht, dass die meisten der Leser hier, auch ermüden würden, wenn man zu 30-45 Minuten Smalltalk, in fremder Sprache, zu fremden Leuten mit ins Haus gebeten wird. Der mir zugeteilte Mitarbeiter war sehr sympathisch und hatte eine Schwäche für Smalltalk. Zu meinem Bedauern.
Am Donnerstag plante die Firma ein Projekt, dass im Juni anstand. Da ich in dieser Zeit aber nicht mehr Teil des Teams sein würde, habe ich den Tag frei bekommen. Schon montags fragte ich den Chef, ob es möglich ist den Freitag für mich kurzzuhalten, oder womöglich ganz Frei zu machen, da es mein letzter voller Tag in Spanien wäre. Ich bekam die Antwort: „Der Plan ist schon gemacht und liegt nicht mehr in meinen Händen.“ Eine Antwort die mich enttäuschte. Sogar die Kunden in Madrid fragten meine Kollegen, welcher Praktikant denn 10-12 Std auf der Arbeit sein müsse. Eine Frage die ich mir bald auch stellte. Und dann auf meine Frage eine Ausrede zu bekommen, ließ mich sehr wenig wertgeschätzt fühlen. Letztlich meldete sich aber meine Administratorin und bat mich am Freitag ins Hauptquartier der Partnerorganisation zu kommen, um mir Formulare abzuholen und ein mündliches Feedback zu dem Praktikum zu geben. Somit fügte sich das Schicksal, dass ich meinen letzten Tag doch noch in den Bergen auf dem Moped und abends am Strand zu verbringen konnte.
Zusammenfassend war es eine Erfahrung der gemischten Gefühle. Die Installation von PV-Anlagen ist alles andere als ein Hexenwerk, somit habe ich nur meine handwerklichen Fähigkeiten festigen können. Anfang der dritten Woche, bot mir der Chef an, mein Praktikum doch gerne zu verlängern. Ich bezweifelte, dass die Organisation einer Verlängerung des Praktikums in 5 Tagen möglich sein würde. Außerdem wusste ich welches Projekt im nächsten Monat anstünde. (Installation einer PV-Anlage mit 450 Modulen im Zoo in Fuengirola – ein Nachbarort Malagas). Für die Installation in Madrid, brauchten wir 4 Tage. Diese PV-Anlage umfasste 26 Solarplatten. So ahnte ich schnell, was mir blühen würde. Doch die eben genannte Wertschätzung, die mir entgegengebracht wurde, verbunden mit der Freizeit, die mir an 5 Tagen der Woche noch blieb, ließ mich nicht lange zögern, dankend abzulehnen. Andalusien, die Region in der Malaga liegt, gefiel mir sehr. Ich bin mir sicher, dass ich nochmals dort hin Reisen werde. Was habe ich aus Malaga mitgenommen? Ein ganzes Stück mehr Wertschätzung für den deutschen Arbeitnehmermarkt.
Doch ich will nicht nur schwarzmalen. Ich bin überaus dankbar, dass mir diese Erfahrung zu Teil wurde. Auch für die unkomplizierte Organisation des ganzen und die zuverlässige Zusammenarbeit zwischen aller Parteien. Ich bin auch gewollt nochmals im Ausland zu arbeiten, trotz der Umstände, die ich eben beklagte. Am letzten Tag, an dem ich die Formulare aus dem HQ der Partnerorganisation holte, erzählte mir die Administratorin, dass ursprünglich ein völlig anderes Unternehmen für mich geplant war, das im Industriebereich tätig sei. Dieses hatte leider keinen Praktikumsplatz in meinem Praktikumszeitraum. Option 2, auch ein Industrieunternehmen, konnte in dem Zeitraum leider auch keinen Praktikanten aufnehmen. So geschah es, dass die Partnerorganisation, kurz vor knapp, doch noch ein Unternehmen fand, dass offen für Praktikanten ist. Den 2 Mann Handwerksbetrieb, dem ich zugeteilt wurde. Ich seie der erste Praktikant den sie in dieses Unternehmen schicken. (Aus der Not, dass drei Tage vor meinem Flug, alle altbekannten Unternehmen, verneinten, einen Praktikanten nehmen zu können). So verstand ich schnell, dass das nicht die Norm für Auslandspraktika ist und konnte schnell über die Arbeitskonditionen hinwegschauen – die ganze Erfahrungen noch mehr schätzen zu wissen.
Vielen Dank!




